Was bringt Prähabilitation?

LBI for Rehabilitation Research

Wie schnell Menschen nach einem Hüft- oder Kniegelenksersatz auf die Beine kommen, entscheidet sich nicht nur durch die Operation und in der anschließenden Reha, sondern schon davor. Wer die Wochen vor dem Eingriff für gezielte Übungen nutzt, aufgeklärt und mit Befürchtungen ernst genommen wird, geht bereits gestärkt in den Wiederaufbau. Im Interreg-Projekt „Cross-Prehab“ wird die Wirksamkeit einer standardisierten Vorbereitung erforscht.

Allgemeine Informationen zum Projekt Cross-Prehab

Das grenzüberschreitende Projekt „Cross-Prehab“, durchgeführt in Österreich und der Slowakei, hat sich gleichsam aus dem Beifang eines Vorprojekts entwickelt. Stefan Löfler, administrativer Manager am LBI, zuständig für Programm-Management, Partnerkoordination und Förderabwicklung, zur Vorgeschichte: „Wir haben die ambulante frühe Remobilisation nach dem Einsatz von Endoprothesen untersucht und in Befragungen gleichsam nebenbei festgestellt, dass viele Patientinnen und Patienten ziemlich unvorbereitet in eine Hüft- oder Kniegelenks-OP gehen.“ Immer mehr Studien zeigen aber, dass neben der Rehabilitation – also dem Wiederaufbau nach einer Operation – auch die vorbereitende „Prähabilitation“ mitbestimmt, wie rasch Menschen wieder auf die Beine kommen.

„Cross-Prehab“ vergleicht die Wirkung eines gezielten multimodalen Prähabilitations-Programms in den Wochen vor dem Eingriff mit der üblichen Vorgehensweise. Das Thema in einem Interreg-Projekt zu erforschen, bringt für die fachliche Koordinatorin Waltraud Kasché nur Vorteile: „Mit dem Input aus verschiedenen Regionen können wir Ansätze entwickeln, die übergreifend funktionieren. Das ist zentral für die Entwicklung eines Programms, das vielleicht breiter ausgerollt werden soll.“ „Botschafterin für Cross-Prehab“ wäre auch eine passende Funktionsbezeichnung, leistet Kasché doch intensive Überzeugungsarbeit. Sie verantwortet alles, was mit Patient:innen zu tun hat, und kümmert sich darum, dass Standards eingehalten und Testungen zum klinischen Verlauf konsequent umgesetzt werden. „Durchs Reden kommen die Leut’ z’samm“ ist ihre oberste Devise.

„Die Abläufe, das Vorgehen und auch die Kultur sind in der Slowakei und in Österreich sehr unterschiedlich. Operationsformen und Nachbehandlungen unterscheiden sich trotz internationaler Empfehlungen. In unserem öffentlichen Partnerspital in Bratislava werden Patientinnen und Patienten durch den gesamten Prozess betreut. In Niederösterreich binden wir mehrere Orthopäden, fünf Spitäler und vier Ambulatorien ein“, ergänzt Stefan Löfler. Zunächst wurde gemeinsam ein passendes Schema zur Prähabilitation entwickelt, das nicht nur physiotherapeutische Kräftigungsübungen vermittelt, sondern konkrete Fragen und Bedenken von Betroffenen adressieren soll – im Sinn einer biopsychosozialen Unterstützung. Wie werde ich auf Krücken gehen können? Welche Unterstützung brauche ich, wenn ich aus der Klinik entlassen werde? Wie kann ich bis zur Operation mit den Schmerzen umgehen? Was bringt es mir im Alltag, wenn ich in den Wochen vor der Operation konsequent Übungen mache?

Geleitet wird das aktuelle Interreg-Projekt vom LBI for Rehabilitation Research, durchgeführt wird es gemeinsam mit der Fakultät für Sozial- und Wirtschaftswissenschaften an der Comenius Universität Bratislava und der Initiative Healthacross der NÖ Landesgesundheitsagentur. Nach entsprechender Überzeugungsarbeit gelang der Transfer in die klinische Praxis mit sieben Videoanleitungen und Informationsmaterial für die Patient:innen, aber auch Schulungen des therapeutischen und klinischen Personals in den Partnereinrichtungen. Die vorgeschlagenen Übungen sollten für alle zwischen 50 und 75 Jahren machbar sein. Fragebogendesign und Datenerhebung wurden an der Comenius Universität erstellt, die Videos durch die NÖ Landesgesundheitsagentur, und das LBI kümmert sich um Beobachtung, Datenerhebung und Ergebnisanalyse zu den „Fallverläufen“ mit klinischen Funktionstests und Follow-up bis 12 Wochen nach der OP.

Bis Ende 2025 konnten in Niederösterreich 147 Patient:innen in die Studie eingeschlossen werden. Ein Teil wurde im Sinn der Prähabilitation vor der Operation informiert, was auf sie zukommt. Wie sie Narben versorgen, Stufen überwinden, sich um ihren Körper kümmern können, physikalische Therapie einbinden und acht Wochen davor ihre Muskulatur für Alltagsbewegungen stimulieren und kräftigen können. Sich nur zu schonen, verstärkt den Muskelschwund. Dafür müssen auch Schmerzen entsprechend adressiert werden. Der andere Teil nahm keine Prähabilitation in Anspruch. Ziel bis Ende 2026 ist, je Land 300 Fälle mit bzw. ohne Prähabilitation über den Verlauf zu beobachten und abzuschließen.

Prähabilitation wirkt zum Wohl der Patient:innen, kann aber auch Kosten im System durch frühere Entlassungen, frühere Reintegration und kürzeren Reha-Bedarf sparen. „Wir sammeln laufend Erfahrungen“, sagt Stefan Löfler und gibt einen Ausblick: „Es zeichnet sich ab, dass wir vor allem Ärzte und Ärztinnen ins Boot holen müssen. Wenn sie überzeugt sind, empfehlen sie die Prähabilitation auch ihren Patientinnen und Patienten.“ Die Midterm-Konferenz im März 2026 soll genutzt werden, um noch mehr Awareness für Prähabilitation zu schaffen.

Highlights

Karrieresprünge am Institut

Im Jahr 2025 sind unsere Junior Researcher Špela Matko, Ferdinand Prüfer und Chiara Vetrano zu PhD-Researchern geworden und haben mit zahlreichen Fachbeiträgen in Fachzeitschriften, Konferenzen und Preisen auf sich aufmerksam gemacht.

Wir gratulieren herzlich!

Zahlreiche Fachbeiträge

Mitarbeiter:innen des LBI haben 49 Fachbeiträge mit einem kumulativen IF von 150 veröffentlicht (überwiegend als First, Senior oder Corresponding Author).

Ausgewählte Publikationen

Post-COVID rehabilitation outcomes: a comparative cohort study. Prüfer/Zwick

The Role of Dysphagia on Head and Neck Cancer Patients’ Quality of Life, Functional Disabilities and Psychological Distress: Outcomes of Cancer Rehabilitation from an Observational Single-Center Study. Matko

What matters in rehabilitation: a mixed methods study of critical success factors from the perspectives of patients and healthcare professionals. Matko/Vetrano

Long-Term Improvements of Complex Post-Traumatic Stress Disorder (CPTSD) Symptoms After Multimodal Psychodynamic Inpatient Rehabilitation Treatment. Riedl/Lampe

Assessing Gait Function in Lower Limb Rehabilitation. Walter Bily, Ferdinand Prüfer, Klemens Adamer, Roman Lederwasch, Špela Matko, Michael J. Fischer, Vincent Grote

J. Clin. Med. 2025, 14(12), 4376

Leitung

DDr. Vincent Grote

Leiter

Unser Ziel ist die Identifikation zentraler Bedürfnisse („Needs“) sowie die Ableitung evidenzbasierter Qualitäts- und Referenzwerte zur Verbesserung der rehabilitativen Versorgung bei Krebserkrankungen – insbesondere der Lebensqualität und der Versorgungsbedürfnisse von Kindern in der stationären Krebsnachsorge.

Post-DocPrim. Priv.-Doz. Dr. Christofer Diakos

Partner

Physiko- und Rheumatherapie Institut Physikalische Medizin (AT)
VITREA Österreich, HFO Health Facility Operations Services GmbH
Stand: Mai 2026

Wissenschaftlicher Beirat

Prof. Francesca Gimigliano MD, PhDUniversity of Campania “Luigi Vanvitelli”, Neapel (IT)
Prof. JUDr. PhDr. Lucia Mokra PhDKomenius Universität Bratislava, Bratislava (SK)
Prof. Ruud Selles PhDErasmus MC University Medical Center, Rotterdamm (NL)
Stand: Mai 2026