Engmaschige Begleitung um die OP:
von Wartezeit bis Wiedereinstieg

LBI for Digital Health and Prevention

Die gezielte Vorbereitung auf einen geplanten Eingriff ist ein noch unterbelichteter Erfolgsfaktor für die Genesung. Beim Projekt „Prehab2Rehab“ arbeiten drei Ludwig Boltzmann Institute und elf Gesundheits- und Technologiepartner zusammen, um Patient:innen zukünftig via Smartphone auf dem Versorgungspfad – von der Prähabilitation bis zur Rehabilitation – zu unterstützen. Um die Anleitung sinnvoll zu gestalten, wurden zunächst medizinische Expert:innen und Patient:innen befragt. Unter der Leitung des LBI Digital Health and Prevention soll der Weg von der Machbarkeit zum Echtbetrieb rasch geebnet werden.

Der Erfolg einer Operation entscheidet sich nicht nur im OP-Saal. Die gezielte und rasche Rehabilitation unterstützt die Rückkehr in Lebensalltag und Berufsleben. Wer sich aber bereits vor einem geplanten Eingriff eigenständig und von Fachleuten betreut vorbereitet, kommt rascher wieder auf die Beine. Studien belegen: Prähabilitation – z. B. in Form gezielter körperlicher Übungen und angepasster Ernährung – verbessert die Ergebnisse für die Patient:innen. Doch in der Praxis verstreicht die Wartezeit meist ungenutzt. Kliniken und Ambulanzen haben nicht die Kapazitäten, ihre Patient:innen mehrere Wochen engmaschig zu begleiten und anzuleiten. Gleichzeitig eröffnet die starke Verbreitung von Smartphones auch bei Nutzer:innen 50+ digitale Unterstützungsmöglichkeiten. Ergänzend zu betreuten Stationen auf dem Versorgungspfad können gut gestaltete und intuitive Apps gleichsam die Hand ausstrecken, ermutigend auf die Schulter klopfen, passgenaue Informationen bündeln und anschauliche Videoinhalte vorzeigen.

Das auf zwei Jahre angelegte FFG-Leitprojekt „Prehab2Rehab“ mit insgesamt 14 Konsortialpartnern soll die Machbarkeit einer gezielten Unterstützung von der Prähabilitation bis zur Rehabilitation untersuchen. Entscheidend dafür war, so Projektleiter Jan Smeddinck, Co-Direktor des LBI for Digital Health and Prevention, „schon vor Projektstart Know-how, technologisch einsatzbereite Lösungen und eine Vielfalt von Anwendungsfällen einzubeziehen. Wir greifen auf Infrastruktur und Erfahrungen aus Vorprojekten zurück, sonst wäre das in der kurzen Laufzeit nicht machbar.“ Beteiligt sind auch das LBI for Rehabilitation Research und das LBI für Arthritis und Rehabilitation – der Dreierpack bündelt Kapazitäten und Kompetenzen in angewandter Rehabilitation und Prävention.

Im ersten Schritt ging es darum, die Blickwinkel von Mediziner:innen einerseits und Patient:innen andererseits zu verstehen. Welche Erfahrungen sind ab der Planung eines Eingriffs wesentlich? Was wäre medizinisch angezeigt? Wie könnte eine digitale Unterstützung aussehen, die auch genutzt wird? Welche Fragen bleiben bisher vor einer Bypass-OP, dem Kniegelenks-Totalersatz oder einem Eingriff an der Leber unbeantwortet? Wie wurden Patient:innenpfade bisher erlebt? Principal Investigator Daniela Wurhofer, die das Arbeitspaket „Stakeholder-Bedarfe“ leitet, gestaltete die Befragungen konkret und offen, um Lücken und Schmerzpunkte aufzudecken. Stets muss mitgedacht werden, dass die Unterstützung auch durch digitale Begleiter abgedeckt werden soll: „Wir wollen bestehende Lösungen kompatibel machen und entsprechend adaptieren – nicht am Ende eine isolierte Lösung neu programmieren.“ Der Weg führte ins Feld, um „künftige Nutzer:innen bestmöglich zu beschreiben, grundsätzlich von jung bis alt, aber unterschiedlich je nach Eingriffsart“, so Wurhofer. Fälle aus Orthopädie, Herz- und Bauchraum-Chirurgie in zwei Klinik-Settings (öffentlich/privat) und aus zwei Bundesländern (Salzburg und Wien) fließen ein. So sollen generalisierbare Ergebnisse und Muster abgeleitet werden und von der Machbarkeit soll damit gut in einen Echtbetrieb gewechselt werden. Wenn die digitale Begleitung gut sitzt, kann sie für weitere Eingriffsarten einfacher angepasst werden.

Die beiden am Institut entwickelten Apps „HERO“ und „aktivplan“ haben sich als digitale Begleiter bereits für konkrete Bewegungspläne und motivierende Impulse bewährt. HERO bildet die Reise aus der Perspektive der Patient:innen ab: die Wochen zu Hause im Vorfeld, den Eingriff selbst, den Alltag danach zu Hause und die Reha. Alle vier Stationen sollen passend unterstützt werden: von der Packliste bis zum Trockentraining mit Krücken, von Ernährungsempfehlungen bis zu den besten Physioübungen für den Alltag. Für die nötige Motivation wird auch mit Erfahrungsberichten von ehemaligen Patient:innen gearbeitet.

Am LBI for Digital Health and Prevention wird seit 2019 bedarfsorientiert an digitalen Bausteinen für den langfristigen gesundheitsfördernden Verhaltenswandel gearbeitet. Personalisierung und tatsächliche Einsatzmöglichkeiten im Gesundheitssystem stehen dabei im Fokus. Jan Smeddinck, Experte für Mensch-Technik-Interaktion und digitale Gesundheitsforschung, betont: „Die Zeit zu Hause gut zu nutzen, ist eine ungenutzte Stellschraube für ein gelingendes Danach. Das rechtfertigt den Aufwand, Abteilungen, Disziplinen, Perspektiven und Prozessabläufe übergreifend anzuschauen.“ Parallel zur Befragung wurden 2025 die Einreichungen für die Bewilligung der klinischen Machbarkeitsstudien samt Ethik-Anträgen in allen drei Anwendungsfällen vorbereitet.

Bei zwei Studien wird auch mit Kontrollgruppen gearbeitet, was für die Kliniken testweise den Vergleich einer neuen ‚Rundumversorgung‘ inklusive Prähabilitation gegenüber der ‚üblichen Versorgung‘ ermöglicht. In einem eigenen Arbeitspaket werden parallel systemische Perspektiven, die Einbettung in die E-Health-Strategie Österreichs und Konsequenzen für Public Health mitgedacht, zusätzlich zur technischen Perspektive, wie die Tools zusammenspielen und Datenströme organisiert werden können. Die Förderung im Rahmen der FFG fordert Anwendbarkeit und starken Praxisbezug. Aus dem multidisziplinären Vorgehen wird nicht nur eine Vogelperspektive, sondern es werden konkrete Einsichten für die echte Welt abgeleitet.

Highlights

Dr. Rada Hussein in WHO-ITU Technical Working Group aufgenommen

Im April 2025 wurde Dr. Rada Hussein in die Technische Arbeitsgruppe (TWG) der WHO und der ITU zur Referenzarchitektur für digitale öffentliche Gesundheitsinfrastrukturen (DPI-H) als leitende Architektin aufgenommen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die International Telecommunication Union (ITU) leiten eine Initiative im Rahmen der Global Initiative on Digital Health (GIDH). Sie soll Leitlinien entwickeln, die eine Referenzarchitektur für Gesundheitssysteme skizzieren und dabei DPIs und offene Standards nutzen, um Gesundheitsziele zu erreichen. Diese Vorgaben und Empfehlungen basieren auf einem wachsenden Korpus an technischen Leitlinien und Ländererfahrungen. Das vorrangige Ziel der Entwicklung der DPI(Digital Public Infrastructure)- Referenzarchitektur für die nationale digitale Transformation im Gesundheitswesen ist die Erstellung umfassender Leitlinien.

Pavithren V S Pakianathan als Word Heart Federation Emerging Leader

Mit Predoc Pavithren V S Pakianathan, M. Eng. wurde ein weiterer Forscher des LBI für Digitale Gesundheit und Prävention zum renommierten World Heart Federation Salim Yusuf Emerging Leaders Programme 2025 in Fiesole (Florenz, Italien) eingeladen. Die Kohorte von 25 Kliniker:innen und Forscher:innen aus über 18 Ländern arbeitete in Teams an der Umsetzung digitaler Gesundheitsmaßnahmen im Bereich der Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Aufgeteilt in drei Teams erhielten die Verantwortlichen jeweils 25.000 USD, um globale Forschungsprojekte zur Implementierung von KI im Bereich der kardiovaskulären Gesundheit auszuarbeiten.

Drei Dissertationen abgeschlossen und erfolgreich verteidigt

Drei Predocs haben im Jahr 2025 erfolgreich ihre Dissertationen abgeschlossen. David Haag („Bridging the Intention-Behavior Gap in Physical Activity: Towards a Dynamic Within-Person Perspective“) und Isabel Höppchen („Bridging the Gap: Designing Digital Technologies to Empower Cardiac Patients Between Hospital and Rehabilitation“) promovierten an der Universität Salzburg. Florian Katsch („Sekundärnutzung von Gesundheitsdaten: eine standardbasierte Integration von patientengenerierten Gesundheitsdaten [PGHD] und elektronischen Gesundheitsakten [EHR] in das harmonisierte Datenmodell [CDM] der Gemeinschaft zur Beobachtung von Gesundheitsergebnissen [OMOP]“) schloss sein Doktorat an Medinischen Universität Wien ab.
Wir gratulieren herzlich und freuen uns auf einige weitere Promotionen, die sich für das Jahr 2026 abzeichnen!

Neuauflage des „Cardiac Rehabilitation Manuals“

Das „Cardiac Rehabilitation Manual“ ist nicht zuletzt aufgrund der Übersetzung der vorherigen Ausgaben ins Chinesische und Russische das meistgelesene Fachbuch im Bereich der kardiologischen Rehabilitation. Dieses klinische Nachschlagewerk bietet umfassende praktische Anleitungen für alle Fachkräfte, die an der Behandlung von Herz-Kreislauf-Patient:innen beteiligt sind. International renommierte Kliniker:innen haben für diese 3. Auflage ihre Kapitel aktualisiert und erweitert, so dass diese die neuesten Entwicklungen in der kardiologischen Rehabilitation abbilden und in Fallbeispielen zahlreiche Hinweise zur Anwendung der aktuellen Leitlinien für die klinischen Praxis geben.

Ausgewählte Publikationen

The Last JITAI? Exploring Large Language Models for Issuing Just-in-Time Adaptive Interventions: Fostering Physical Activity in a Prospective Cardiac Rehabilitation Setting. Haag D, Kumar D, Gruber S, Hofer DP, Sareban M, Treff G, Niebauer J, Bull CN, Schmidt A & Smeddinck JD (2025)

Proceedings of the 2025 CHI Conference on Human Factors in Computing Systems, 1–18

Interoperability Framework of the European Health Data Space for the Secondary Use of Data: Interactive European Interoperability Framework-Based Standards Compliance Toolkit for AI-Driven Projects. Hussein R, Gyrard A, Abedian S, Gribbon P, Martínez SA

J Med Internet Res. 2025 Apr 23;27:e69813. PMID: 40266673

Ganz Salzburg bewegen [All of Salzburg Moving]: a large-scale public involvement project with underserved groups, for the co-design of local and contextualized physical activity promotion concepts. Kulnik ST, Salbrechter S, Radwanovsky S, Garstenauer U, Ebner M, Fuhrmeister T, Stainer-Hochgatterer A, Wurhofer D, Roth M

Res Involv Engagem 11, 92 (2025)

Feature Selection for Physical Activity Prediction Using Ecological Momentary Assessments to Personalize Intervention Timing: Longitudinal Observational Study. Kumar D, Haag D, Blechert J, Niebauer J & Smeddinck JD

JMIR mHealth and uHealth, 13(1), e57255.

Reporting Digital Health Implementations Based on the iCHECK-DH Guidelines and Checklist: Development of an Interactive Toolkit. Liyanage A, Irfaan S, Moonesinghe L, Kasturiaratchi K, Perrin Franck C, Hussein R

J Med Internet Res. 2025 Aug 8;27:e74235. PMID: 40779756

Leitung

Prim. Univ.-Prof. Dr. Dr. Josef Niebauer, MBA

Wissenschaftliche Leitung

Dr.-Ing. Jan David Smeddinck, BSc, MSc

Wissenschaftliche Co-Leitung

Andreas Stainer-Hochgatterer

Administrative Leitung und Open Innovation in Science Manager

In unseren Projekten erheben wir die Bedarfe des Gesundheitswesens systematisch und stimmen unsere Technologien darauf ab, um passgenaue, anschlussfähige Lösungen, statt isolierter Anwendungen zu entwickeln. So schaffen wir die Basis für einen schnellen Praxistransfer und eine flexible Anpassung an unterschiedliche Anwendungsfälle.
Die Zeit rund um eine Operation und insbesondere davor ist oft von besonders großen Unsicherheiten geprägt. Zudem bleibt Wartezeit meist ungenutzt wird als belastend erlebt. Die genauen Verläufe und Umstände sind aber an jeder Klinik und auch für jede Patientin und jeden Patienten unterschiedlich. Mit dem FFG Leitprojekt Prehab2Rehab arbeiten wir an diesen Herausforderungen und freuen uns sehr, gemeinsam mit 14 Verbundpartnern aus Forschung, Klinik und Technologie Prähabilitationsansätze in drei Anwendungsfällen samt digitaler Technologiebegleitung zu erproben und so an besseren Lösungen für Menschen in Österreich und darüber hinaus arbeiten zu können.

Principal InvestigatorMag.a Dr.in Daniela Wurhofer

Partner

Landeskliniken Salzburg (AT)
Fachhochschule Salzburg GmbH (AT)
Paris Lodron Universität Salzburg (AT)
Salzburg Research (AT)
AIT Austrian Institute of Technology GmbH (AT)
Land Salzburg (AT)
Paracelsus Medizinische Privatuniversität (AT)
Stand: Mai 2026

Wissenschaftlicher Beirat

Prof. Dr. Lisette van Gemert-PijnenUniversity of Twente (NL)
Prof. Dr. Elisabeth AndréUniversität Augsburg (DE)
Duncan Barron, BSc MScUniversity of London (UK)
Prof. Dr. Jaap HamEindhoven University of Technology (NL)
Victoria HamerKingston University (UK)
Marc van KempenHealthcare Executive (NL)
Stand: Mai 2026