„Habe viele mit Begeisterung für Forschung infiziert“

LBI für Kardiovaskuläre Forschung

Hätte Johann Wojta Zebras in der Serengeti gezählt, wäre die kardiovaskuläre Forschung um eine prägende Figur ärmer. Der langjährige Leiter des LBI für Kardiovaskuläre Forschung ist studierter Zoologe und ein Freund klarer Leistungsvereinbarungen. Hier spricht er über sein letztes Jahr im Amt, kommende Aufgaben, Führungsstil, Volleyball, Privilegien und schlaflose Nächte.

Johann Wojta leitete das LBI für Kardiovaskuläre Forschung von 2009 bis Ende 2025.

Johann Wojta erwartet nicht so bald einen Pensionsschock. Mit 1. Jänner 2026 hat der wache Forschergeist nur den zweiten von drei organisatorischen Hüten abgelegt, die er zwischen 2010 und 2022 gleichzeitig trug. Alice Assinger, seine Nachfolgerin in der Leitung des Ludwig Boltzmann Instituts für Kardiovaskuläre Forschung, hat er selbst zur Bewerbung motiviert. Er freut sich, dass sie die Funktion erwogen und sich im Hearing durchgesetzt hat, „weil mir wichtig war, dass es jemand macht, der nicht nur die fachliche, sondern auch die entsprechende soziale Kompetenz mitbringt“.

Der Unruhestand ist Wojta schon vertraut. Als Leiter des Forschungslabors an der Universitätsklinik für Innere Medizin II, Abteilung Kardiologie (ab 1998) ist er seit 1. Oktober 2022 offiziell im Ruhestand. Als er sich aus der Funktion zurückzog, wurde ihm zu Ehren ein Forschungssymposion ausgerichtet. Eine schöne Geste, wie er findet. 2026 arbeitet er noch 20 Stunden pro Woche an der MedUni Wien als Leiter der Organisationseinheit Core Facilities (seit 2013). Bis Herbst soll die Übersiedlung hochkomplexer Geräte vom Anna-Spiegel-Haus in das neu errichtete Center for Translational Medicine über die Bühne gehen: „Meine Intention ist, zu bleiben, wo ich am Aufbau beteiligt war, bis es wieder klaglos funktioniert.“

Am LBI für Kardiovaskuläre Forschung stieg er als Leiter 2009 ein, als es formal ein Cluster war. Davor war gerade eine große Strukturreform mit Zusammenlegung von Kompetenzfeldern „rund ums Herz“ abgeschlossen worden. Gefragt nach Meilensteinen seiner Ägide, nennt er die gelungene Fusion der zuvor eigenständigen Ludwig Boltzmann Institute für Herz-Chirurgische Forschung, Herz-Kreislauf-Forschung und Arrhythmie-Forschung: „Wir haben es geschafft, Leute aus verschiedenen Wissenschaftsfeldern konfliktfrei mit einem gemeinsamen Fokus zusammenzubringen. Ich hoffe und denke, dass ich als integrative Leitungsperson dazu beitragen konnte.“ Eine gute Gelegenheit, um über seinen Führungsstil zu reden. Wojta ist ein Volleyball-Enthusiast, spielt Beachvolleyball vorne am Netz, wo er blockt und smasht. Angriffslust und Aggressionsabbau hebt er sich für die Freizeit auf und er gehört nicht zu den Mikromanagern: „Wenn alles passt, mische ich mich nicht ein.“ Für ein Team ist wichtig, dass das Umfeld passt. Mittel einzuwerben, den Nachwuchs auszubilden und die Erfolge zu publizieren, das muss funktionieren. Wenn Konflikte auftreten, versucht er zu moderieren.

Johann Wojta bloggt auch über den Sport, an dem er Fairness und Tempo schätzt: Ein Match kann sich schnell drehen und entscheiden, mit Regelverstoß sammelt man keine Punkte. Für Spitzensport und -forschung gilt gleichermaßen: Dauerhafte Förderung ohne Leistungsnachweis ist nicht gerechtfertigt. „Es gehört unabhängig evaluiert, und die Mittel sind kompetitiv zu vergeben. Wer nicht performt und sichtbar ist, bekommt kein Geld.“ Das LBI für Kardiovaskuläre Forschung war und ist erfolgreich, „weil wir angewandte und klinische Forschung mit Grundlagenforschung vereinen. Das ist ein ideales Umfeld, um sich gegenseitig zu befruchten. Das vielleicht sichtbarste Beispiel ist das Wiener Kunstherz. Ich bin mir aber sicher, dass wir mit Top-Publikationen etliche Mosaiksteine gestaltet haben, von denen wir noch nicht wissen, was daraus noch wird, wo sie passen und welches Bild sie vervollständigen.“

In seinem letzten Jahr galt es, das Institut finanziell solide aufzustellen – ein Thema, das ihm in den vergangenen Jahren am ehesten schlaflose Nächte bereitete – und den Output seiner Gruppe, die zuletzt v.a. zu Atherosklerose und Immunsystem geforscht hat, mit Publikationen voranzutreiben. Ab der Jahresmitte galt es, die Übergabe zu gestalten, die ja auch Unruhe und Ängste auslösen kann. Zudem wurde das Institut im Oktober 2025 evaluiert und „ich wollte nicht als derjenige in die Geschichte eingehen, der eine Erfolgsgeschichte beendet und sich dann absentiert“, sagt er trocken. Der Vorgänger und die Nachfolgerin arbeiteten hier Hand in Hand, er gestaltete die Rückschau und sie die Perspektive.

Internationale Anerkennung für seine Arbeit spürt Wojta über die Einladung in internationale Fachgesellschaften: „Als frisch gebackener Forschungsassistent auf der Physiologie hätte ich mir nie vorgestellt, dass ich einmal in der European Society of Cardiology wissenschaftspolitische Funktionen ausüben werde.“ Vom Grundstudium ist er Zoologe, wollte zunächst Verhaltensforscher werden. Bald stellte sich jedoch Realismus ein: „Man hätte wohl nicht auf mich gewartet, um Zebras in der Serengeti zu zählen.“ Statt auf Medizin umzuschwenken, suchte er eine fachliche Verbindung und fand sie an der Abteilung für Medizinische Parasitologie, wo er mit seiner Dissertation den Fuß in die Tür zur medizinischen Forschung stellte. Auf der Physiologie begann er im Labor mit der Produktion monoklonaler Antikörper und bekam eine Idee davon, wie man Leute führt: „Wenn Bernd Binder jemanden erfolgversprechend fand, bekam der die Möglichkeit, ins Ausland zu gehen. Ich war mit einem Schroedinger-Stipendium zwei Jahre in den USA und konnte mich danach habilitieren.“ Später hat er Binder überzeugt, dass er zwei Jahre nach Melbourne muss, weil sie dort so einen wie ihn suchen und brauchen. Sein Chef war immer offen, und diese Möglichkeiten gehabt zu haben, rechnet Wojta ihm hoch an. Beide Male begleiteten ihn seine Frau und ein, später zwei kleine Kinder. Immer wenn die Weltlage drückt, spielt das Paar mit dem Gedanken, nach Australien zurückzukehren.

Johann Wojta zählt drei Privilegien (s)eines Wissenschaftlerdaseins auf: „Als Nachtmensch musste ich nie um sieben Uhr bei einer Morgenbesprechung sein. Ich reise gern und habe über die Arbeit laufend neue Leute kennengelernt, von denen viele richtige Freunde geworden sind. Und ich darf neugierig sein und fragen: Wie geht das? Das wäre für meinen Vater, einen Glasermeister, nicht gegangen.“ Dem wissenschaftlichen Nachwuchs empfiehlt er, sich die „curiosity“ unter allen Umständen zu bewahren. Lehre hat ihm immer Spaß gemacht: „Ich habe etliche Ph.D. mit der Begeisterung für Forschung infiziert. Wenn man sich selber als guten Wissenschaftler sieht, sollte man weitergeben, was man weiß, Interesse und Neugier wecken.“

Weil es noch kein fixes Datum für seinen Ruhestand gibt, hat Johann Wojta keine konkreten Pensionspläne: Genug Zeit für seine drei Enkelkinder mit sieben, fünf und drei Jahren und einige Reiseziele sind aber jedenfalls dabei.

Highlights

ESPRIT Fellowship für Laura Boccuni

Im Dezember 2025 wurde Laura Boccuni vom Österreichischen Wissenschaftsfonds (FWF) mit dem renommierten ESPRIT-Stipendium ausgezeichnet. Das ESPRIT-Programm unterstützt hochqualifizierte Postdoktorand:innen dabei, eigenständige Forschungsprofile zu entwickeln und innovative, international wettbewerbsfähige Projekte in Österreich voranzutreiben.

Laura Boccuni ist Postdoktorandin am LBI für Kardiovaskuläre Forschung und verfügt über mehr als zehn Jahre Erfahrung in der akademischen Forschung. Sie studierte Zell- und Molekularbiologie in Italien, wo sie sowohl ihren Bachelor- als auch ihren Masterabschluss absolvierte, und promovierte anschließend in Immunologie an den Max-Perutz-Labors in Wien. Ihre wissenschaftliche Ausbildung umfasst Immunsignalwege, Molekularbiologie und fortgeschrittene Datenanalyse und bildet die Grundlage für ihren interdisziplinären Forschungsansatz.
Ihr von ESPRIT gefördertes Projekt befasst sich mit einer grundlegenden und klinisch relevanten Frage im Bereich der Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Wie gehen Makrophagen mit geschädigten Mitochondrien während der Atherosklerose um? Makrophagen schützen Gewebe normalerweise, indem sie die Qualität der Mitochondrien aufrechterhalten, entweder durch das Recycling defekter Mitochondrien innerhalb der Zelle oder durch deren Export in kleine extrazelluläre Vesikel. Wie Makrophagen zwischen diesen beiden Wegen entscheiden und wie dieses Gleichgewicht unter proatherogenem Stress verändert wird, ist bislang kaum verstanden.

Kardiovaskuläre Implantate

Ein Höhepunkt des Jahres 2025 für die Forschungsgruppe „Kardiovaskuläre Implantate“ war die Verleihung des Paul Dudley White International Scholar Award 2025 für das bestplatzierte Abstract aus Österreich, das auf den Scientific Sessions 2025 der American Heart Association vorgestellt wurde. Die präsentierte Arbeit stellt eine wegweisende Entwicklung eines innovativen Herzsensors dar, der im Rahmen des Projekts „Digitale Biomarker für KI-gestützte Diagnostik und Therapie der Herzinsuffizienz“ eingebettet ist. Diese Arbeit ist das Ergebnis einer Zusammenarbeit zwischen dem LBI für Kardiovaskuläre Forschung (auch mit der Forschungsgruppe „Cardiovascular Remodelling“), der Medizinischen Universität Wien und dem Fraunhofer-Institut für Mikrotechnik und Mikrosysteme/IMM. Max Haberbusch, der vortragende Autor, hat eine Förderung von der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft erhalten (CARDISENSE-Förderungsnummer: FO999922422).

Ausgewählte Publikationen

The COR Lipid Registry: the effectiveness of the strike early and strike strong strategy in patients with high cardiovascular risk Get access Arrow. Patrick Weltler, Paul F Harbich, Achim Burger, Stephan Dobner, Christoph C Kaufmann, Alexander Geppert, Kurt Huber, Edita Pogran

European Heart Journal. Acute Cardiovascular Care, zuaf137

Importance of basic science and research training for the future generation of cardiologists: A statement of the ESC Working Group on Cellular Biology of the Heart, the Heart Failure Association of the ESC, the ESC Council on Basic Cardiovascular Science, the European Association of Percutaneous Coronary Interventions of the ESC, the ESC Working Group on Cardiovascular Regenerative and Reparative Medicine, the ESC Working Group on Cardiovascular Surgery, the ESC Young Community and the ESC Scientists of Tomorrow Free. Gemma Chiva-Blanch, Elisa Liehn, Ioanna Andreadou, Julien Barc, Bianca J J M Brundel, Sean M Davidson, Perry Elliott, Paul C Evans, Zoltan Giricz, Monika Gladka, Can Gollmann-Tepeköylü, Petra Kleinbongard, Thomas Krieg, Cecilia Linde, Thomas F Lüscher, Tomasz Guzik, Ange Maguy, Theresa McDonagh, Melanie Paillard, Radoslaw Parma, Maurizio Pesce, Giulio Pompilio, Maria Rubini, Katrin Streckfuss-Bömeke, Matthias Thielmann, Carlo G Tocchetti, Sophie Van Linthout, Panagiotis Vardas, Pascal Vranckx, Johann Wojta, Cinzia Perrino

European Heart Journal, ehaf738

Dapagliflozin enhances hemodynamic and metabolic recovery following cardioplegic arrest in the isolated working mouse heart. Christopher Dostal, Johanna Reiner, Daniel Spona, Laurenz Wolner, Patrick M. Pilz, Lukas Weber, Gülsüm Yilmaz, Anna Stampfer, Martina Godel, Giulia Guerra, Alessandra Ghigo, Barbara Kapeller, Chiara Riganti, Ana Isabel Antunes Goncalves, Seth Hallström, Attila Kiss, Bruno K. Podesser

Biomedicine & Pharmacotherapy Volume 193, December 2025, 118771

Leitung

Prof. Alice Assinger, PhD

*Leiterin seit Jänner 2026

Johann Wojta leitete das LBI für Kardiovaskuläre Forschung von 2009 bis Ende 2025.

Univ.-Prof. Dr. Johann Wojta

*Leiter bis Dezember 2025

Am Ludwig Boltzmann Institut für Kardiovaskuläre Forschung möchten wir die Brücke zwischen Labor und medizinischer Anwendung stärken. In enger Zusammenarbeit mit klinischen Partnern, Krankenhäusern und Vorsorgezentren ist es mir ein zentrales Anliegen, Forschungsergebnisse rasch in die klinische Praxis zu übertragen – mit besonderem Fokus auf Prävention und geschlechtsspezifische Aspekte. Ich freue mich darauf, diesen Weg gemeinsam mit einem engagierten Team zu gehen.

Leiterin seit Jänner 2026Prof. Alice Assinger, PhD

Partner

Medizinische Universität Wien (AT)
Wiener Gesundheitsverbund (AT)
Stand: Mai 2026

Wissenschaftlicher Beirat

Prof. Lina BadimonInstitut Català de Ciències Cardiovasculars IR, Hospital de la Santa Creu i Sant Pau, Barcelona (ESP)
Prof. Ulrich SteinseiferRWTH Aachen University (DE)
Prof. Bart MeynsKU Leuven (BE)
Stand: Mai 2026